Das Projekt

“Sexualität ist Privatsache”

 

Die Phrase, Sexualität sei privat, zielt selten darauf ab, die Privatsphäre anderer zu wahren. Vielmehr meint sie: “Behalte Dein Anderssein für Dich”.

In einer wortwörtlichen Übersetzung bedeutet das viel strapazierte “queer” auch “merkwürdig”. Der Begriff “queer” wird jedoch als positive Beschreibung des eigenen “Anderssein” verwendet und postuliert einen eigenen Lifestyle. Wer queer ist, grenzt sich von Heteronormativität und auch ganz allgemein von jedem Konservativismus ab. Queer zu sein bedeutet für uns, Identität nicht auf die sexuelle Orientierung zu reduzieren. Es geht vielmehr um zeitgemäße Formen eines diversen Zusammenlebens, um Offenheit und Flexibilität.

Geht es heute oft um normierte Selbstdarstellung, ist queere Praxis vielmehr als Weg zur Selbstverwirklichung anzusehen. So positiv das klingt, stellt sich die Frage, wer von dieser Utopie (noch) exkludiert ist. Wir empfinden dieses Label als ein sehr junges und stellten fest, dass die Perspektiven älterer Menschen dabei noch kaum berücksichtigt werden.

Individuelle Lebensentwürfe und Bedürfnisse weichen im fortgeschrittenen Lebensalter aufgrund finanzieller Nöte, Erkrankungen oder veränderten sozialen Umständen oft einem geradezu radikalen Pragmatismus. Wer nicht mehr im Berufsleben steht wird schnell als Teil einer homogenen “pensionistischen” Masse wahrgenommen. Diesem Bild wollen wir auf verschiedenen Ebenen entgegenwirken.

Wir sehen es daher als unseren Auftrag,  neue Perspektiven zu schaffen. Mit zwei sehr unterschiedlichen filmischen Mitteln schaffen wir Einblicke in queere Lebensgeschichten und wollen so Wege aufzeigen:

Einerseits wird über die nächsten Jahre ein Dokumentarfilm über unsere Protagonist_innen und die gemeinsame Arbeit im Projekt entstehen. Andererseits werden Videowalks online zur Verfügung gestellt, die einzelne Menschen in einem interaktiven Videoformat portraitieren. 

Aus dem Rahmen versteht sich jedoch auch als lebendiges Netzwerk. Mehrmals jährlich laden wir mit dem Liebstöckel zum generationenübergreifenden Feiern und diskutieren ein.

Die Zeit, in der wir leben, stellt uns und unser Vorhaben vor gesellschaftspolitische Herausforderungen. Während ein weitreichender Rechtsruck rückwärts gesinnte Ideologie aufs Tapet bringt, ist es uns ein besonderes Anliegen, queeren älteren Menschen eine Stimme zu geben. Sie erlebten noch gesellschaftliche und staatliche Unterdrückung von Homosexualität durch Verbotsgesetze am eigenen Leib. So bestand in Österreich noch bis 1971 laut §129Ib ein Totalverbot von Homosexualität. Wir verstehen das entstehende Netzwerk daher auch als eine politische Interessengemeinschaft und sind bereit, aktive Positionen gegen Sozialabbau, Sexismus und Diskriminierung einzunehmen.   

 

Das Projekt